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Veganismus [eBook]

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Bernd-Udo Rinas

Veganismus

Ein postmoderner Anarchismus bei Jugendlichen?

ISBN-eBook 978-3-943612-35-6

ISBN-PDF: 978-3-943612-46-2

Januar 2012

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Diese, im Rahmen einer Dissertation an der Justus-Liebig-Universität Gießen, Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften, erstellte Arbeit analysiert Parallelen zwischen dem derzeit auch jugendkulturell boomenden Veganismus und dem Anarchismus und stellt die Frage, ob die Veggie-Bewegung nicht möglicherweise ein großes Potential für die Entwicklung eines zeitgemäßen Anarchismus darstellen könnte.

 


Vorwort: Ein Anarchismus mit Zukunft?
Als ich vor vielen, vielen Jahren den Anarchismus studierte, war für mich
seine anthropozentrische Orientierung - nicht nur wegen der weit verbreiteten
Unfreiheit unter den Menschen - selbstverständlich. Bernd-Udo
Rinas gibt diese Fixierung jetzt gut begründet auf und bezieht die Tiere
in das von den Menschen aufgespannte Solidaritätsnetz ein - alle Tiere,
weil sie, wie die Menschen, Schmerzen erleiden könnten. Eine anarchistische
Konzeption, die am Anthropozentrismus festhält, könne keine
neuen Antworten geben. Bernd-Udo Rinas will aber einen Anarchismus
mit Zukunft.
Drei Anmerkungen: Die Einbeziehung der Tiere in das Solidaritätsbündnis
beinhaltet die Gefahr - die auch Bernd-Udo Rinas gesehen hat -
dass die Menschen, insbesondere die Kinder, mehr für eine Zuneigung zu
lieben Tierchen als zu armen und hinfälligen Menschen, vom Einsatz zur
Beseitigung von Unfreiheit ganz zu schweigen, sensibilisiert werden. Eine
zweite Anmerkung, die er nicht problematisiert hat: Können Tiere, alle
Tiere, auch aktiv gegenüber den Menschen Solidarität zeigen oder bleibt
dies ein einseitig Ding? Und drittens: Einige Probleme, die ich bei der Einbeziehung
auch der einfachsten tierischen Lebewesen in die Fragestellung
habe, lasse ich außen vor.
Eine vegan-anarchistische Konzeption und Bewegung in der Postmoderne
bleibt im Kern ein Anarchismus, weil das politische Konzept der
Herrschaftslosigkeit nicht aufgegeben wird, im Gegenteil, es wird ausgeweitet:
Eine herrschaftsfreie Gesellschaft setze voraus, dass auch keine
Herrschaft der Menschen über die Tiere akzeptiert werden kann.
Das Buch von Bernd-Udo Rinas können also "alte" Anarchisten mit
Befriedigung lesen, auch weil sie auf eine breite Verarbeitung der anarchistischen
Tradition stoßen.
Wenn der Autor einen Zusammenhang zwischen Anarchismus, Postmoderne
und Veganismus konstruiert, so will er das traditionelle Anarchismus-
Konzept notwendigerweise revidieren. Damit könne der Anarchismus
der Gefahr entrinnen, ein historisches Produkt zu bleiben. Oder anders ausgedrückt: Der Veganismus ist kein Post-Anarchismus, sondern
soll eine Perspektive des Anarchismus sein.
Die Lektüre des Buches kann auch für Veganer eine Bereicherung ein.
Ob sie schon gewusst haben, dass sie Anarchisten sind, dass der Veganismus
eine Perspektive für den Anarchismus ist?
Und warum nicht auch die Pflanzen in ein umfassendes Konzept der
Herrschaftslosigkeit einbeziehen? - Ich sehe natürlich die Gefahr, dass
Menschen dann (ver)hungern würden, denn irgendetwas müssen sie
essen. Diese Gefahr wäre aber bei weltweitem konsequenten Veganismus
auch nicht von der Hand zu weisen.
Dies führt zum groben Einschub der Frage, ob die Natur auf dieser
Erde sich nicht zum gegenseitigen Fressen der Lebewesen entwickelt hat?
… Halt, da tu ich den Pflanzen Unrecht. - Der Spargel schmeckt mir, dem
Menschen, aber trotzdem.
Warum nicht wenigstens ein bisschen Holismus? Leben der Lindenbaum
oder der Rosenstock nicht? Ist es diesen Pflanzen gleichgültig, wenn
ich Äste absäge oder Zweige breche? Soll auch heißen: Wissen wir sicher,
dass sie dabei keine "Schmerzen" erleiden? - wobei der überkommene
Schmerzbegriff überdacht werden sollte.
Sollte ich nicht die Konsequenz ziehen, der Liebsten den lebenden Rosenstock
statt der gebrochenen, bald welkenden, also sterbenden, Rose zu
schenken?
Ich hab’s getan.
Prof. Dr. Franz Neumann

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